Die "International Bowling Federation" (IBF, vormals "World Bowling") erlaubt weltweit Seilzuganlagen für Sportbetrieb

Die World Bowling, der internationale Spitzenverband für Bowling (Tenpin, Ninepin, Para Bowling), hat sich am 2. November 2020 bei einem außerordentlichen Kongress in International Bowling Federation umbenannt. Und als Paukenschlag gab der umbenannte Verband bekannt, dass ab sofort Seilzuganlagen im Sportbetrieb weltweit zugelassen sind (Link zur Pressemitteilung in englisch).

 Begründet wird diese überraschende und nicht unbedingt zu erwartende Anerkennung von Seilzugbahnen mit der Unterstützung einer UN-Initiative für ein Rahmenabkommen "Sport für Klimaschutzmaßnahmen". Seilzuganlagen brauchen erheblich weniger Energie und ihre Unterstützung ist daher ein hervorragender Aufhänger, sich dieser Initiative anzuschließen und Aufmerksamkeit zu generieren.

Was bedeutet das für das Bowling in Deutschland sowie in Europa?

Zunächst einmal steht die Frage im Raum, wie viele Seilzuganlagen überhaupt Interesse am Sportbowling haben? Denn mit dem Sportbetrieb sind einige Anforderungen verbunden.

Anforderungen der IBF an Seilzuganlagen (Link zur Originalversion in englisch):

  • Lanes
    • Lanes, Pindecks und Gutters sollen den aktuell gültigen Spezifikationen für Bowlingbahnen entsprechen
    • Für die Kickbacks wurden für Seilzugbahnen eigene Richtlinien festgelegt
  •  Pins
    • müssen den aktuell gültigen Spezifikationen entsprechen
    • müssen nach dem Anbringen der Bohrungen für das Seil innerhalb der Toleranzgrenze liegen, die aktuell für Pins festgelegt ist
    • müssen mindestens alle 90 Tage erneuert werden

Hinzukommt, dass für die Anforderungen des Sportbetriebs in vielen Fällen die Anschaffung einer Ölmaschine notwendig sein wird, die einen erheblichen Investitionsaufwand bedeutet. Generell ist wohl auch in vielen Fällen eine häufigere Bahnenpflege notwendig als bei reinem Freizeitbetrieb.

Und es stellt sich die Frage, ob bei diesen ganzen Anforderungen nicht sogar ein Mechaniker notwendig ist, dessen Einsparung ein wichtiges Argument der Hersteller von Seilzuganlagen ist.

Schlussendlich müssen Seilzuganlagen, wenn sie am Sportbetrieb teilnehmen wollen, eine Abnahme durchführen lassen, wodurch ebenfalls wiederkehrende Kosten entstehen.

Und das alles, um eventuell eine Meisterschaft bzw. ein paar Ligastarts zu bekommen? Wobei sich die Anzahl der Seilzuganlagen, auf denen Meisterschaften ausgetragen werden können, schon alleine deshalb reduziert, weil zumindest in Deutschland i.d.R. kleinere Anlagen mit Seilzugtechnik gebaut wurden und werden.

Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein zu sehen, wie groß der Andrang von Seilzuganlagen für Sportbowling bei uns sein wird. Als Bayerische Bowling Union werden wir die Entwicklung mit Interesse verfolgen. Und es wäre natürlich in unserem Interesse, wenn sich möglichst viele Seilzuganlagen melden und ihr Interesse an einer Zusammenarbeit kundtun würden.

Raimund Hessling
Vorsitzender