Ein weiterer Praxistipp von Lehrwart Werner Gessner.

Ein Bowlingball behält nach dem Kauf selten sein Oberflächenfinish. Früher war es "einfacher": die Bälle waren matt oder glänzend - matte Bälle für öligere Konditionen, glänzende Bälle für trockenere Konditionen.

 Heute ist die Oberflächenbeschaffenheit und deren Änderung eine Schlüsselkomponente für eine Ballreaktion, abgestimmt auf Bahnenkondition und Spielerlevel. Passende Balloberflächen erzeugen nicht nur 75% der Laufeigenschaft/Reaktion des Bowlingballs sondern sind damit ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Spiel.

Bowler, die den Wert des "Verstehens" von Oberflächenmanagement ignorieren, vergeben die Möglichkeit, mehr Erfolg zu erreichen. Tipps und Tricks der Profis helfen jedem, sein Spiel zu  verbessern. Der typische Denkprozess derer, die von Balltuning wenig Ahnung haben, ist, dass geschliffene Bälle mehr Hook bringen und polierte Bälle auf mehr Länge ausgelegt sind. Die allgemeine Sicht berechtigt diese Annahme vielleicht, wenn man die seitliche Bewegung des Balls lediglich von "Außen nach Innen" betrachtet, aber nicht von "Vorne nach Hinten". Zudem geht es auch noch um die Asymmetrie des Kerns und um das Differential/Flarepotential.

Geschliffene Bälle verbrauchen schneller Energie und wechseln langsamer von Skid zu Roll - sie zeigen eine weichere Form von Hook. Energiereservierung und Form des Hook ist wichtiger als die seitliche Bewegung.

Es gibt zwischenzeitlich eine Menge an Schleifmitteln, Polituren und Ballreiniger. Alles richtig einzusetzen erfordert schon besondere Aufmerksamkeit. Um gleich einiges an Unwissenheit über die Allgemeinen Regeln zu beseitigen (USBC/DBU ect.), hier eine allgemein gültige Aussage:

  • Oberflächen von Bällen dürfen bis vor dem ersten Wertungswurf einer Veranstaltung geschliffen bzw. verändert werden.
  • Nach dem ersten Wertungswurf dürfen Oberflächen lt. USBC nur nach abgeschlossenen Blocks verändert werden.

Die genauen Regeln sind für uns im DBU Regelwerk festgelegt - bitte unbedingt beachten und wenigstens einmal durchlesen.

Die erste Lektion des Oberflächen-Managements

Man braucht einen Bowlingball nicht auf seinem Boxfinish zu belassen. Die Oberflächen der Bälle - soweit man ein individuelles Sortiment hat - sollten auf unterschiedliche Bahnenkonditionen im Zusammenhang mit der Spieler DNA unterschiedlich abgestuft sein. Am besten ist es, wenn man sich ein Set an Pads zulegt, um im Training die unterschiedlichen Laufeigenschaften zu testen. Wie bei jedem Schleifmittel ergibt eine niedrigere Zahl eine gröbere Körnung und eine höhere Zahl eine feinere/glattere Oberfläche. 500/800 und 1000 Grit schaffen daher früheren Grip und 3000 bis 5000 Grit glattere Oberflächen mit in der Regel mehr Länge.

Die zweite Lektion des Oberflächen-Managements

Oberflächenveränderungen sind umkehrbar - d.h. jede veränderte Balloberfläche kann rückgängig gemacht werden. Das einzige Kriterium ist, dass es schwieriger wird von einer 500er Grit Rauheit wieder nach oben zu kommen; Man muss dies dann über mehrere Stufen machen.

Was bedeutet das?

Es ist einfach zu erklären: Wenn man einen Ball in den Ballspinner (oder per Handschleifen auf einen Ballteller) gibt, muss der Ball nach jedem Schleifdurchgang um 90 Grad horizontal gedreht werden, bis die gesamte Umrundung von 360 Grad erreicht ist. Das würde z.B. von 800 auf 1000 Grit schon acht Arbeitsgänge erfordern.  Experimentierfreudig zu sein ist allerdings der beste Weg um zu Lernen, welche Oberfläche genau zu welcher Bahnenkondition und zu meinem Spiel passt.

Die einfache Methode

Die grundlegendste Methode der Oberflächenanpassung besteht darin, einfach mit einem entsprechendem Schleifpad in kreisenden Bewegungen - ohne Ballspinner - um den gesamten Ball zu schleifen. Bei gleichmäßigem Druck, entsteht eine einigermaßen gleichmäßige Oberfläche.

Die fortgeschrittene Methode

Hier sollten sie vorher wirklich die USBC/DBU Regeln kennen, weil sich die folgenden Techniken in einer Art "Grauzone" bewegen. Die Kontrolle der Gleichmäßigkeit ist allerdings schwer zu bewerkstelligen. Bei international erfahrenen Trainern/Profispielern und Serviceleuten der betreuenden Ballhersteller ist es üblich, mit dem gleichem Pad und unterschiedlichem Druck auf verschiedenen Zonen und Schleifrichtungen zu arbeiten. Im internationalem Bereich ist diese Methode alltäglich. Auf diese Weise kommt es in den verschiedenen Bahnenzonen zu unterschiedlichen Ballreaktionen und Breiten des Flare - man spricht dabei von "Hitting the Flares". In folgenden Fotos zeigen wir einige Möglichkeiten:

Bild1Schleifen Sie z.B. mit einem 500er, 800er oder 1000er Pad in Trackrichtung (dicke Linie Horizontal). So erreicht man eine Spur für frühen Grip. Bei einem asymmetrischem Kern mit hohem Differential kommt es zu einem breitem Flare auf der Balloberfläche. Dies bedeutet, dass der Ball ab den Midlanes früh andreht (Grip schafft), dabei aber für die finale Bewegung ab Break etwas an seitlicher Bewegung verliert (kein Flip).



Bild2Stellt man die Tracklinie des Balls allerdings Vertikal und man verwendet dasselbe Pad, so verzögert sich der Moment des Grip etwas nach hinten - also zum Ende der Midlanes und behält seine Dynamik ab Break länger (evtl. Flip).



Bild3Stellt man den "BowTie" (Kreuzung der Flareringe zum höchsten Punkt im Ballspinner) und schleift mit einem 3000er oder 4000er Pad rundherum, bekommt der Ball erst mal mehr Länge. Der Trick ist, wenn man mit einem Polish und genügend Druck nur über die BowTie Fläche alleine arbeitet, erhöht sich normal der Einlaufwinkel im Finale, allerdings ohne Flip und wird berechenbarer.



Dies sind eben Möglichkeiten der Abstimmungen, bis hin zu Fein- oder sogar Feinstabstimmungen, welche für den normalen Betrachter kaum wahrnehmbar sind, doch im Rahmen der Reaktionen vieles möglich machen.


Euer Werner Gessner
(Lehrwart BBU)

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