Werner Gessner macht sich Gedanken zur Bedeutung von Bowling im Freizeit-, Breiten- und Leistungssport

Diese drei Begriffe definieren sich auf grundsätzlich unterschiedliche Art und Weise - trotzdem geht es immer um einen gemeinsamen Ausgangspunkt: Sport!

Unter Freizeitsport verstehe ich eine zum reinen Vergnügen ausgeführte Zusammenkunft für Bewegung, Konversation und Spass, in Anlehnung von einfachen Ausführungen irgendeiner Sportart.

Betreten wir zum Beispiel an einem Tag - meistens abends - ein Bowlingcenter, so treffen wir dort in erster Linie Hobbybowler, die einen gesellschaftlichen Anlass oder Treff mit Essen, Trinken und Vergnügen in den Vordergrund stellen.

Der Breitensport umfasst sportliche Aktivitäten, die vordergründig der körperlichen Fitness, dem Ausgleich von Bewegungsmangel und Spaß am Sport als Ziel haben. Hierzu möchte ich auch einen gewissen Teil der Bowler*innen des Ligabetrieb "Bowling" zählen.

Was macht eine Sportart überhaupt interessant?

In erster Linie geht es um Leitfiguren und Medienpräsenz. Hier nur einige Beispiele aus der Vergangenheit: Wie kam ein "Tennis-Boom" in den erfolgreichen Jahren von Boris Becker und Steffi Graf zustande? Durch Leitbilder und Medienpräsenz. Die Tennisvereine wurden damals mit Neumitgliedern geradezu überschwemmt.

Als 2006 das deutsche Fußball Sommermärchen startete oder Deutschland Handball-Weltmeister wurde - auch diese Medienpräsenz ließ die Sportvereine aufatmen und verheißungsvoll in die Zukunft schauen.

Natürlich hält Bowling keinem Vergleich mit diesen Sportarten stand - das wäre aktuell auch utopisch. Wir sollten aber in den Verbänden und vor allem in den Vereinen und Klubs nie vergessen, dass wiederkehrende Medienpräsenz - und sei sie noch so klein aber eben immer wiederkehrend - eine Erinnerung an eine Sportart hoch hält.

Bowling ist zwar als "Randsportart" zu bezeichnen; Wir sollten uns allerdings über die Strahlkraft des Bowlingspiels als Freizeit- und Hobbysport in mehr als 150 Ländern der Erde immer bewusst sein. Haben wir uns schon einmal über folgendes Gedanken gemacht: Warum stellt sich ein ganzer Industriezweig weltweit mit seinen Produkten für Bowling so in den Vordergrund? Weil das Umsatzpotential nicht nur vorhanden sondern geradezu riesig ist!

Natürlich gibt es auch andere Beispiele im Sport wie z.B. Squash: der damalige Boom ist vorbei! Kaum irgendwo sind heute noch Squash-Center zu sehen.. Warum? Squash ist Leistungssport mit Einzel- und/oder Doppelbewerben, aber eben nicht Zuschauermagnet und auch nicht mehr "In". Bowling ist bei uns auch kein Zuschauermagnet; Weil wir unseren Sport schlecht- oder besser gesagt überhaupt nicht vermarkten. Wir, als Bowlingklub oder -Verein, machen uns nicht die Mühe, laufend über Bowling zu berichten.

Ja, was soll man denn da schreiben???

Als erstes sollte man sich im klaren darüber sein, dass ein*e Sportjournalist*in einer Tageszeitung oder eines regionalen Fernsehsenders nicht zu uns kommt und fragt: Darf ich etwas über eure Sportart berichten?

Wenn wir uns nicht selbst bemühen, Kontakte zu knüpfen und Sportjournalist*innen zu einem lockeren Abend einzuladen, ja dann bleibt Bowling einfach nur Hobby, auch als Randsportart wird man in Kürze nicht mehr wahrgenommen. Eine Freizeitbetätigung für die Masse - mehr nicht. Dabei muss dem Journalist*in ggf. auch versucht werden, unseren Sport mit seinen interessanten Details "im Groben" zu erklären.

Leistungssport vs. Breitensport

Unter Leistungssport versteht man die intensive Art, Sport mit dem Ziel auszuüben, in Wettkämpfen eine hohe Leistung zu erreichen. Leistungssport unterscheidet sich vom Breitensport grundsätzlich. In diesem Bereich betreiben Sportler einen erheblich höheren Finanz-, Zeit- und Trainingsaufwand sowie die Fokussierung auf Erfolge in einem Wettkampf.

Der Breitensport (Freizeitsport) umfasst sportliche Aktivitäten, die vordergründig körperlicher Fitness, Ausgleich von Bewegungsmangel und Spaß am Sport im allgemeinem als Ziel hat. Das sich z.B. im Bowlingsport auch aus Hobbytreffen eine Art Gruppendynamik entwickeln kann, sehen wir zum Beispiel an den Ligen für Hobby - oder Betriebssport. Breitensport und Leistungssport sind keinesfalls unabhängig voneinander zu betrachten - sie sind sogar unmittelbar voneinander abhängig, denn ohne Breitensport kommt es kaum zu Leistungssport.

Sponsoren - Leitbilder und Richtlinien

Menschen brauchen - schon von Kindes Beinen an - als Antrieb Leitbilder, an denen sie sich orientieren und nach denen sie streben können. Diese Leitbilder im Sport sind ausnahmslos im Spitzensport zu finden. Leitbilder sollten - auch beim Bowling - zumindest erst einmal national geschaffen werden. Sie sollen für die Basis Vorbildfunktionen einnehmen. Doch ohne entsprechende Berichterstattungen werden keine Leit- oder Vorbilder "produziert".

Ist der Leistungsbereich von der Basis abhängig?

In keinem Sportverband lässt sich eine Leistungsspitze ohne entsprechendes Basis aus den Vereinen generieren. Ohne eine breite Basis, die sich aus einer gewissen Masse von Bowler*innen in den Vereinen herauskristallisiert, lässt sich keine zielorientierte Leistungsspitze bilden, die im Umkehrschluss wiederum als Motivationshilfe der Basis dient.

Ohne die Verbreitung der erforderlichen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit ist es für die Vereine schwer - wenn nicht gar unmöglich -, dementsprechend Mitglieder zu gewinnen.

Breitensport- und Leistungssport im Jugendbereich

Als erstes ist dabei zu überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist, Bowler*innen in frühen Kinder- bzw. Jugendjahren an eine Leistungsspitze heranzuführen. Ich denke, in jungen Jahren sollte es in erster Linie um Spaß und Freude an einer Sportart gehen. Ich habe schon erlebt, dass Eltern - die ja oft auch irgendwie Bowling spielen - denken, ihr Kind muss zumindest besser werden - oder vielleicht genauso gut wie ich.

Einer der kritischen Feststellungen beim Jugendsport allgemein ist der falsche Ehrgeiz von Eltern, die ihre Kinder einem übertriebenen Leistungsdruck aussetzen. Auch manche Trainer sind da nicht ohne Schuld.

Ein weiteres Argument ist eine zu frühe "Sättigung" der jugendlichen Nachwuchssportler.

Ich meine damit: Wenn man Jugendlichen Bowlern bei Wettbewerben zu leichte Ölmuster vorgibt, verbauen wir ihnen eine Steigerungsmotivation für noch besseres technisch-taktisches Spiel. Damit sind keine schweren "Sportbowling-Konditionen" angedacht, aber etwas Anforderung sollte in einem Wettbewerb schon abverlangt werden. Geht man damit nicht verantwortlich um, gaukelt man schon im Jugendbereich großes Können vor, was vor allem im spielerisch- und mentalen Bereich überhaupt noch nicht gefestigt sein kann.

Genau aus diesen Gründen sollte bei allen Trainerausbildungen auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Anforderungen geachtet werden. Für den sportpsychologischen und pädagogischen Rahmen müssen Fachreferenten eingebunden werden, da es auch um Handlungsweisen in Konflikt- und Drucksituationen geht.

Spiel und Spaß sind von emotioneller Bedeutung für sportliche Leistungen!

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