Ja, aber noch nicht in Deutschland!

Wenn man sieht, was in manchen Ländern in Leistungszentren verschiedener Sportarten betrieben wird - mit welcher Systematik da auch Randsportarten gefördert werden -, so kann man das Bowlingspiel in Deutschland leider lediglich als Freizeitsport einordnen.

 

Es gibt kaum vereinseigene Spielstätten. Die Bowlingcenter in Deutschland sind eigenständige Wirtschaftsbetriebe: hier steht Sportbowling nicht im Vordergrund sondern betriebswirtschaftliche Aspekte.

Unter Leistungssport versteht man denn auch etwas völlig anderes! Davon sind wir noch meilenweit entfernt. Auch in anderen Sportarten gehen Sportler*innen noch in die Arbeit und haben Familien, doch denen werden praktikable und durchführbare Trainingspläne an die Hand gegeben, die dennoch Leistungssport ermöglichen.

Von Leistungssport sollte man eben nur dann sprechen, wenn Sportlern - egal in welcher Sportart - ausgearbeitete Trainingspläne in die Hand bekommen, deren fachliche Inhalte nachvollziehbar und nicht veraltet sind. In diesem Artikel zeige ich einen von mir ausgearbeiteten Trainingsplan für einen sehr fortgeschrittenen Bowler, der das Ziel hat, Spitzensport Bowling zu betreiben. Alle farbig aufgezeigten TE (Trainingseinheiten a' 45 Min) müssen natürlich mit individuellen Inhalten unterlegt werden.

Da dies - selbst bei unseren Spitzenspieler*innen - kaum nachweisbar ist, sollte man schon einmal hinterfragen: Was versteht man in Deutschland unter Leistungssport Bowling?

Trainerausbildungen gehen in Deutschland schon länger an den Realitäten des modernen Bowlingspiels vorbei. Bowling hat sich in den letzten Jahren verändert. Alles was Spitzenspieler*innen in Deutschland können, haben die sich - mehr oder weniger - ohne deutsche Trainer erarbeitet und größtenteils selbst beigebracht.

Die Grundlage für Leistung kommt vom Breitensport

Es ist für unseren Bowlingsport vordergründig wichtiger, uns als erstes um den Breitensport - vor allem um die Nachwuchsarbeit - in den Vereinen oder Klubs zu kümmern.

Eines unserer größten Probleme ist, dass unser Sport - von den Verbänden bis hinunter in die einzelnen Klubs - oft nur verwaltet und kaum gestaltet wird. Es fehlt überall am guten Willen, für seinen Verein- oder Klub etwas einzubringen. Jeder verlässt sich darauf, dass es andere machen - nur nicht ich! Das ist wie mit der Energiewende: jeder ist dafür z.B. mit Windkraft - aber doch bitte nicht vor der eigenen Tür!

Nach dem Motto: Ich zahle meinen Beitrag und habe meine Schuldigkeit getan, scheinen viele Bowler zu vergessen, dass sie eines Tages alleine auf der Bahn stehen werden, wenn sie nicht mithelfen, unsere Mitgliederverluste zu stoppen. Mitglieder werden in den Vereinen immer weniger, obwohl immer mehr Leute mit ihren Kindern in den Bowlingcentern sind. Meine Beobachtung zeigt, dass Teams nicht mehr antreten können weil sie keine Mannschaft mehr stellen können.

Gibt es denn keine Aktivitäten in den Klubs?

Es gibt in den Leistungsleveln der C-, B- und A- Trainer hunderte lizenzierte Trainer in Deutschland. Allerdings tauchen die nirgendwo auf. Entweder sie werden als Karteileichen geführt oder sie sind nirgendwo als Aus- oder Fortbilder tätig.

Warum ist das so?

Ich denke es liegt "nicht nur" an den Verantwortlichen in den Vereinen und Klubs. Die Mitglieder selbst hätten es in der Hand, wieder für eine Gruppendynamik zu sorgen.

Am sogenannten Trainingstag - der ja eigentlich kein Training ist - werden einige Spiele lang die Bälle geworfen, um auf den Scorer irgendein Ergebnis zu erzielen. Training bedeutet aber, unterschiedliche Herausforderungen in vielen Zusammenhängen zu verstehen und zu bewältigen. Dabei geht es darum, verschiedene Linien, Taktiken- und Ballreaktionen einzustudieren.

Da in den meisten Fällen kein Trainer anwesend ist, werden einfach mal drei oder mehr Spiele abgewickelt ohne eigentlich zu verstehen, was da nun passiert wenn der Ball die Bahn runter läuft und/oder wo ein Problem entsteht. Funktioniert das Spiel nicht oder entsteht das erhoffte Ergebnis nicht, war eben die Bahn schuld.

Da kaum ein Trainer mit Fachwissen in den Klubs da ist, kann auch keine diesbezügliche Analyse und Kommunikation stattfinden. Jeder packt seine - oft zu vielen - Bowlingbälle ein und verschwindet kurz darauf. Das nennt man dann Training? Wie soll da eine Gruppendynamik mit fachlicher Kommunikation entstehen?

Leute, ihr seid alle so mit euren Handys und Computern beschäftigt, dass sich keine echte sportliche Gemeinschaft mehr entwickeln kann! Dabei gibt es soviel zu besprechen: z.B. wie man den Mitgliederverlust stoppen könnte; oder was können wir für die Gewinnung von Kindern und Jugendlichen tun? Haben wir einen Trainer oder zumindest einen Betreuer für die Jugend? Welches Konzept könnten wir erarbeiten und anbieten? Haben wir mit dem Hallenbetreiber gesprochen? Gibt es evtl. Sponsoren für die Jugendarbeit wie Kommunen, Krankenkassen, Versicherungen, Getränkehersteller, Firmen usw.?

Wir brauchen eine Strategie?

Als erstes brauchen wir Motivation, um unseren Bowlingsport im Verein und in der Öffentlichkeit - aber zumindest im Bowlingcenter - positiv darzustellen. Ein richtiger Sportverein hat in jeder Sportart einen Trainer oder Jugendbetreuer. Warum gibt es das beim Bowling nicht?

Die Vielzahl der Hobbybowler sollte wissen, dass es in dieser Halle einen Verein mit Trainer/Betreuer und auch Kinder- und Jugendbowling gibt. Ein Plakat in der Halle mit einen Hinweis kann doch für die Vereine und Klubs kein Problem sein?! Sprechen Sie mit Ihrem Centerbetreiber. Die verdienen zwar ihr Geld mit dem "Open Bowling", sind aber meisten positiv auf Sportbowling eingestellt. Überall in den Hallen gibt es Hobbybowler, die sich verbessern möchten - sich vielleicht erstmal in einem Hausligateam versuchen wollen.

Hausligen sind eine Grundlage für unseren Vereinssport. In meiner Zeit als Bahnenbetreiber schafften wir an drei Wochentagen (Mo, Mi & Sa) je 12 also 36 Hausligateams. Daraus gingen nach 4 Jahren eine Vereinsmitgliederzahl von ca. 400 aktiven Bowlern hervor. 50 Kinder- und Jugendliche waren nach 2 Jahren gemeldet. Auch da ging es über Ansprechen, Ansprechen und immer wieder Ansprechen.

Wie sollen auch Kinder- und Jugendliche für das Bowlingspiel interessiert werden, wenn man Ihnen kein Angebot macht? Warum bewerben wir die Kinder- und Jugendlichen bei der Vielzahl der Kindergeburtstage und sogenannten Schulausflügen (gilt ja auch als Ersatz-Schulsport) in den meistens vollen Hallen nicht?

Es tut mir innerlich weh, wenn ich in mein Bowlingcenter gehe und z.B. an einem Samstag sich 150-200 Kinder am Kindergeburtstag tummeln und Spaß haben. Nicht, weil die Kinder Spaß haben, sondern weil - wieder - ein riesiges Potential verschenkt wurde.. Geht man - selbst unter der Woche - in sein Bowlingcenter und beobachtet diese große Anzahl von Kindern mit ihren Eltern - was für ein Potential.

Und das Beste: Wir brauchen sie nicht einmal in die Halle holen, die sind bereits da!

Haben wir uns schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie viel an Werbekosten Firmen ausgeben müssen, um neue Kunden in ihr Geschäft zu bekommen? Wir schauen einfach zu, wie sich hier bereits Gruppendynamiken entwickeln, wir lassen uns mögliche Gelegenheiten für ein "Ansprechen" leichtfertig entgehen.

Jetzt gilt nur noch eins: Ran an die Talente!

Ihr entwerft ein buntes DIN A4 Info-Blatt - und Drucken, oder Kopieren eine gewisse Anzahl als "Einstieg" für ein Gespräch. Dieses Infoblatt verteilen wir als Gesprächseinstieg vorrangig an die Eltern - natürlich schließen wir die Kinder mit ein. Wir erklären darauf kurz wann, wo, was stattfindet und dass man zwang- und kostenlos, einfach mal ohne besondere Anmeldung zum Schnuppern und Kennenlernen kommen kann.

Was sollte auf dieses Infoblatt?
  • Vereinslogo
  • Tag
  • Zeitpunkt
  • Zeitumfang
  • Betreuer
  • Versicherung über Sportamt

Extras: z.B. eine Stunde kostenfrei Spiel, Spaß, Freunde kennenlernen, mit Betreuern.

Sponsoring z.B.: Bowlingcenter stellt für 1 Stunde Leihschuhe und Bahnen kostenlos. Sportämter, Banken, Sparkassen und Versicherungen springen besonders auf das Thema "Integration" für Jugendliche an. Getränkelieferanten, Bäcker, Metzger und sonst. Firmen spendieren gerne mal was für ein kleines Event.

Ganz wichtig!

Natürlich wollen alle für Ihre Aktionen in der Tagespresse oder/und auf den Infoblättern erwähnt werden - es ist ein Nehmen und Geben. Schreiben Sie also "ab und wann" - besonders nach einem Event - einen Bericht für die Tagespresse über eine Aktion, ein Training oder eine Schnitzeljagd etc. und erwähnen Sie Ihren Sponsor*en (möglichst mit Fotos).

Lasst euren Gedanken jetzt freien Lauf, setzt euch zusammen - gemeinsam schafft ihr das!

Dieser Artikel wurde verfasst von Werner Gessner und übernommen von bowlingpage.de

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